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Sonntag, 7. Oktober 2012

Jeder Zeit ihre Kunst


aus 2007) André Malraux: Ein Stil sei immer ein "sich entfalten", das nur in genau dieser bestimmten Zeit denkbar sei. Kein Stil wiederhole sich sohin. Schon gar, weil jedes Werk nur an einem einzigen Tag "spreche" - an dem, an dem es geschaffen würde.

"Das Reimser Lächeln ist eine Statue, die bis zum Ende des Barock mit jedem Jahrhundert an Starre zugenommen hat; doch als sie entstand, war sie wirklich ein Lächeln, eine Figur, die plötzlich eben gewonnen hatte ... Weder vor den realistischsten Flamen noch vor der unbeschwertesten Freiheit Italiens hat die Menge je eine lebende Figur anerkannt und im Triumph mit sich davongetragen: sondern vor einem Cimabue. (siehe: Bild von Leighton, 19. Jhd.) Für die Monochromie des Films sind wir erst empfänglich gworden, seitdem es den Farbfilm gibt. Die hieratisch strengen Photographien galten bei ihrem Entstehen als die Wirklichkeit selbst."

Jede noch so schwache Gegenwartskunst sei in eine Kultur hinein zeugungskräftiger als jedes noch so gut bestückte Museum.

Wiederbelebungen vergangener Künste seien auch in der Renaissance aus innerem Anruf entstanden - der in den Künstlern Antwort fand, weil sie aus diesen Formen heraus ihren - gegenwärtigen - Stil entwickelten. Bis dann der "David" Michelangelo's auf diese Form der Wiedererweckung hinwies. Der doch seine eigene Gegenwartskunst wurde.

Kein Winckelmann habe das erreicht, keine Theorie. Theorie bringe maximal den Stil des Rationalen hervor, und das heiße (nach Malraux): Nichts. Kunst zeuge sich nur formal, durch sich selbst - also aus Tradition. Das zeige die Bedeutung der Museen.



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