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Mittwoch, 14. Februar 2018

Die Putin Interviews (Oliver Stone) - 3

Ein ziemlich kluger Mann, auf jeden Fall ein äußerst realistischer Mann. Stone nennt ihn gar einmal: Ultimativer Verhandler

Umgekehrt haben die Amerikaner vor allem nach dem Zusammenbruch der UdSSR 1991 der Illusion aufgesessen, sie seien nun die berufenen Führer der gesamten Welt. Wenn aber ein Land glaubt, es sei das einzige Führungsland der Welt, gleitet es rasch in eine unrealistische Weltsicht und Mentalität ab. Sodaß ein Volk (und seine Elite) von der Regierung eine Stärke verlangt, die der Realität nicht entspricht. Immerhin sei dazu die bemerkenswerte Feststellung zu machen, daß zwar die Staatenführer der USA wechseln, nicht aber ihre Außenpolitik, die die Politik eines Imperiums sei. Putin meint aber, daß die Haltung, die gesamte Welt zu kontrollieren, den Interessen der amerikanischen Bevölkerung nicht entspreche. Es verwandelt das gesamte Verhältnis zur restlichen Welt und kennt keinen Respekt mehr.

Dennoch verwahrt er sich dagegen, daß Oliver Stone ihn in "Anti-Amerikanismus" hineinziehen könnte. Das sei nicht seine, Putins, Position. Stone habe es da leichter, und es sei sogar dessen gutes Recht, ALS Amerikaner sein Land zu kritisieren, sagt er später dann einmal. Er, Putin, habe hier andere Dinge zu beachten, und sich zuerst darum zu bemühen, ein freundschaftliches Verhältnis zu den USA zu pflegen.

Der Fall Snowden

Die Gespräche gehen über auf die Probleme mit Ossetien und Georgien, die Rolle Saakashvilis darin, um auf den "Fall Snowden" überzugehen. Die Vorkommnisse um seinen Aufenthalt in Rußland, der bis heute andauert, stellt Putin als mehr oder weniger fast zufällige Abfolge dar, bis er - ohne gültigen Paß - am Moskauer Flughafen stand, nicht weiterreisen konnte, und Putin ihm Asyl gewährte.

Als Verräter hätte er den Amerikaner nicht geschätzt, aber Snowden war keiner. Alles, was er gesagt hat, hat er öffentlich in Amerika getan. Aber er hat sonst nichts "verraten". In den Augen Rußlands hat er kein Verbrechen begangen, weil er eben kein Verräter war, und es besteht bis heute auch kein Auslieferungsabkommen mit den USA. Es bleibt freilich die Frage, warum die USA Edward Snowden die Weiterreise nach Südamerika untersagt haben. Wo sie dort doch viel leichter auf ihn zugreifen hätten können als in Moskau. Ja, wenn sie seinen Paß in Hongkong nicht für ungültig erklärt hätten, hätten sie ihn überhaupt leicht und locker ergreifen können. Warum das so war, fragt Putin? Weil sie unprofessionell gehandelt haben und gemacht haben, was kein Geheimdienst machen sollte: Sie ließen sich nervös machen.  So nervös, daß sie sogar Gerüchten gefolgt sind, Snowden wäre an Bord der Maschine von Präsident Morales (Kolumbien), die sie zur Landung in Wien zwangen.

Snowden hat immerhin Mut, meint Putin, und das imponiert ihm. Da ist aber nichts Mysteriöses um den ganzen Fall. Rußland ist ein demokratisches Land, was an den Vorgängen war also geheimnisvoll? Umgekehrt war das Verhalten der USA irrational. Denn man kann jedes Flugzeug unter Vorwänden überall auf der Welt zur Landung zwingen.

Putin verwahrt sich gegen die (auch durch Snowden publik gewordene) Spionage der USA, die auch davor nicht zurückschreckt, sogenannte Alliierte auszuspionieren. Das, so Putin, "tut man nicht", es zerstört jedes Vertrauensverhältnis und läßt allen Respekt vor diesem vermissen. Denn immerhin hat Rußland seit Jelzin definitiv die Spionage in den USA eingestellt, weil man die USA als Partner ansah. Daß dies aber einseitig blieb ist wohl dem Einfluß der neokonservativen Bewegung auf Washington zuzuschreiben. Er war es auch, der die Situation in der Ukraine zur Zuspitzung trieb, denn der Einfluß auf diese Ereignisse bestand und besteht ohne jeden Zweifel. (Er wird nicht einmal abgestritten, sondern als Teil der amerikanischen Mission dargestellt; Anm.)


Übermorgen) Teil 4







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