Der Wiener Historiker Lothar Höbelt ist nicht nur ein origineller
Kopf, sondern bricht mit seinen Sichtweisen das lähmende Narrativ, das
sich in unseren Ländern gebildet hat, und macht eine neue Weltsicht
möglich. Höbelt liest die Gestalten, er läßt sich nicht von den
Plaudereien wegziehen. So meint er auch, daß der strategische Sieger nach
dem Ersten Weltkrieg Deutschland gewesen ist. Denn es hat sein größtes
strategisches Problem, die Zweifrontenstellung zwischen Frankreich und
Rußland, aufbrechen können. Was durch die Gründung Polens geschah, das
traditionell mit Rußland in großen Spannungen lebt. Nun hatte
Deutschland einen Puffer zum größten Land Europas, und konnte sich auf
den Westen konzentrieren. Als eine der fünf neuen Weltmächte, die da die
USA, Frankreich, Deutschland, England und Japan waren.
Die
Frage, wer also den Ersten Weltkrieg eigentlich gewonnen hat, ist
alles andere als eindeutig, wenn auch militärisch scheinbar klar durch die
Kapitulationen. Politisch gesehen aber waren die offiziellen Sieger
durch die Bank strategisch gesehen Verlierer. Vielleicht kann man daraus
besser verstehen, warum die "Sieger" so darauf drängten, die Rolle der
Kriegsschuldigen wie auch der Gewinner so vehement in den Verträgen von
Versailles (Deutschland) wie St. Germain/Trianon (Österreich-Ungarn)
festlegen zu wollen. Aber nicht einmal das ist gelungen.
Den
Anlaß zum Kriegseintritt der USA 1917 bot Deutschland selbst, als es
den uneingeschränkten U-Boot-Krieg gegen England erklärte und damit auch
amerikanische Schiffe zu versenken begann. Diese Gelegenheit ließ sich
Washington nicht entgehen. Wäre das nicht geschehen, wären die
Westmächte bereits 1917 gezwungen gewesen, ihre Kriegsanstrengungen aus
finanziell-materiellen Gründen zu limitieren, und der Ausgang des
Krieges wäre ein anderer gewesen. Ende 1916 hatten nämlich die
Amerikaner aufgehört, britische Schatzscheine zu kaufen, also Kredit zu
gewähren. Nur eine Ausweitung der Kriegshandlungen selber konnte also
die westlichen Alliierten retten. Das war im Grunde auch im Zweiten Weltkrieg
nicht anders.
Am meisten hat Deutschland aber, so der
VdZ, von der Zerschlagung der Donaumonarchie profitiert. Dadurch
entstand ganz selbstverständlich ein Machtvakuum im Herzen des
Kontinents, der schon aus natürlichen, geographischen wie ethnischen und
historischen Gründen die natürliche Einflußzone Deutschlands wurde.
Noch heute leidet Europa unter dem Fehlen einer in diesem Raum
gleichstarken Macht, der noch dazu den amerikanischen, ja überhaupt den
außereuropäischen Einfluß am Leben hält, weil sich Länder wie Polen, die
Tschechei, aber auch Ungarn und einige Balkanstaaten nicht anders gegen
die erdrückende politische Übermacht wehren können als durch solche
transkontinentalen Allianzen. Zumalen sie sich von den westlichen
Ländern benachteiligt und klein gehalten fühlen.
Rußland ohne Zaren war kein Gegenpol gegen Deutschland mehr. Als den Alliierten das einfiel, war es schon zu spät, die russische Armee war abgerüstet und der Westen hatte politisch durch den Frieden von Brest-Litowsk, wo Deutschland und Rußland untereinander alles regelten, keinen Zugriff mehr. Selbst die Ukraine wollte aber in der Monarchie bleiben, weil sie mit Recht befürchtete, zwischen Rußland und Polen zerrieben zu werden (und hatte für kurze Zeit 1919 sogar einen Habsburger als Regenten. Was heute kaum jemand bei uns weiß.)
Rußland ohne Zaren war kein Gegenpol gegen Deutschland mehr. Als den Alliierten das einfiel, war es schon zu spät, die russische Armee war abgerüstet und der Westen hatte politisch durch den Frieden von Brest-Litowsk, wo Deutschland und Rußland untereinander alles regelten, keinen Zugriff mehr. Selbst die Ukraine wollte aber in der Monarchie bleiben, weil sie mit Recht befürchtete, zwischen Rußland und Polen zerrieben zu werden (und hatte für kurze Zeit 1919 sogar einen Habsburger als Regenten. Was heute kaum jemand bei uns weiß.)
Dabei war es noch 1916/17 Interesse der einen Hälfte der Engländer (die andere war längst in den Weltherrschaftsträumen der britischen Rasse von Cecil Rhodes, Rothschild et al. verfangen, sie hat sich dann v. a. später durchgesetzt), wenn auch eher im Format eines Gedankenspiels (es kam allerdings tatsächlich zu einem diesbezüglichen Treffen zwischen Briten und Österreichern), die
Donaumonarchie als Gegengewicht zu Deutschland am Leben zu halten.
Niemand hatte eine rechte Vorstellung was passieren würde, wenn die
Habsburger Monarchie zusammenbräche. Und letztendlich hatte England nicht wirklich noch Interesse an Zentraleuropa, Zeichen des Rückzugs, der sich im späteren Verlust des Empires, das man aufgab, um Kernengland zu retten, dann manifestierte.
Daß Österreich zusammenbrechen würde, war militärisch erst Mitte 1918 endgültig klar, als die Balkanfront zusammenbrach. Eine direkte Folge des Zusammenbruchs Bulgariens, das bis dahin die Engländer, die von Saloniki aus nach Norden wollten, in Schach gehalten hatte. Österreich alleine hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen, es war militärisch schon zu ausgeblutet, und wirtschaftlich am Boden. Wien war die Zentrale von Verwaltung und Kapital der Monarchie. Aber was verwalten? Wo anders war das Kapital investiert als in den (nach heutigem Begriff) nicht-österreichischen Gebieten der Monarchie?
Und erst dann bekamen die eigenstaatlichen Bewegungen in den Monarchievölkern ihren vollen Auftrieb (man sehe dazu auch einen weiteren Vortrag von Höbelt aus allerjüngster Zeit), lange Zeit noch ohne die Absicht, eine überstaatliche Zusammenarbeit in den Grenzen der Monarchie aufrechtzuhalten, in welcher Form auch immer. Die Westmächte hatten noch im Herbst 1918 keine klare Linie, was mit Zentraleuropa passieren sollte. Allerdings waren sie durch verschiedenste Versprechen bereits stark gebunden und auf Wege gedrängt, die sich dann durchsetzten, weil sie nun die einzige und erste feste Linie der weiteren Entwicklungen waren.
Daß Österreich zusammenbrechen würde, war militärisch erst Mitte 1918 endgültig klar, als die Balkanfront zusammenbrach. Eine direkte Folge des Zusammenbruchs Bulgariens, das bis dahin die Engländer, die von Saloniki aus nach Norden wollten, in Schach gehalten hatte. Österreich alleine hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen, es war militärisch schon zu ausgeblutet, und wirtschaftlich am Boden. Wien war die Zentrale von Verwaltung und Kapital der Monarchie. Aber was verwalten? Wo anders war das Kapital investiert als in den (nach heutigem Begriff) nicht-österreichischen Gebieten der Monarchie?
Und erst dann bekamen die eigenstaatlichen Bewegungen in den Monarchievölkern ihren vollen Auftrieb (man sehe dazu auch einen weiteren Vortrag von Höbelt aus allerjüngster Zeit), lange Zeit noch ohne die Absicht, eine überstaatliche Zusammenarbeit in den Grenzen der Monarchie aufrechtzuhalten, in welcher Form auch immer. Die Westmächte hatten noch im Herbst 1918 keine klare Linie, was mit Zentraleuropa passieren sollte. Allerdings waren sie durch verschiedenste Versprechen bereits stark gebunden und auf Wege gedrängt, die sich dann durchsetzten, weil sie nun die einzige und erste feste Linie der weiteren Entwicklungen waren.
Morgen Teil 2)
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